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  Glossar
Fachliche Grundlagen > Genese und Geogenese > Geogenetische Definition > Lockergesteine

Saprolit

Liste Geogenetische Definitionen für Lockergesteine

Überbegriffe Verwitterungs- und Rückstandsbildungen

Unterbegriffe -

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Status gültig
Kürzel z
Erläuterung Intensiv verwittertes, struturell intaktes Gestein mit Tonmineralneubildungen
Synonyme Zersatzbildungen, Zersatz

Kategorisierung petrogenetisch
Englisch saprolithe
Zusammensetzung / Merkmale Der Saprolit setzt sich aus intensiv verwitterten Gesteinen zusammen und weist eine ungestörte Gesteinsstruktur auf. Er lässt sich in einen Oxidationshorizont und einen Reduktionshorizont untergliedern. In den untersten Zonen des Reduktionshorizontes treten Kaolinit und Smectit nebeneinander als Mineralneubildung neben Chlorit auf. Zum Hangenden tritt Smectit bei zunehmender Durchlässigkeit und Auswaschung wieder aus dem Mineralspektrum zurück. Zunächst noch vorhandener Rest-Chlorit wird ebenfalls vollständig kaolinitisiert. Im gebleichten Saprolit, der die oberste, bis zu 40 m mächtige Zone des Oxidationshorizontes bildet, tritt ausschließlich Kaolinit als Mineralneubildung (Weißverwitterung) neben residualem Illit-Muskovit und Quarz auf.
Entstehung Saprolite entstehen durch physikalisch-chemische Verwitterung von Locker- und Festgesteinen und Mineralneubildung, wobei in Abhängigkeit vom Grad der Verwitterung Material in unterschiedlichem Maße zu- oder weggeführt wird.
In den deutschen Mittelgebirgen bildete sich über lange Zeiträume die mesozoisch-tertiäre Verwitterungsdecke. Als Ausgangsgesteine überwiegen im Rheinischen Schiefergebirge die unterdevonischen Ton- und Siltschiefer, in die sich in einem regional unterschiedlichen Ausmaß Sandsteinbänke, quarzitische Schichten und Quarzgänge einschalten (Felix-Henningsen 1990). Aus den paläozoischen Gesteinen bildete sich eine bis zu 150 m mächtige Verwitterungsdecke, die in die genetischen Einheiten Solum und Saprolit untergliedert wird. Der Saprolit entwickelte sich unterhalb des Solums durch Tiefenverwitterung. Voraussetzung für die Bildung waren lange Zeiträume tektonischer Ruhe in Kombination mit einem verwitterungsintensiven, warm-humiden Klima (Felix-Henningsen 1990). In diesen Phasen übertraf das Vordringen der Verwitterungsbasis in die Tiefe die Rate der Abtragung der Verwitterungsdecke. Die Kaolinitisierung der Schiefer erfolgte im Reduktionshorizont der Verwitterungsdecke unter wassergesättigten Bedingungen bei gleichzeitiger Abfuhr der Lösungsprodukte.
Bildungsprozess in situ verwittert
residual
reliktisch
Bildungsraum terrestrisch
autochthon
Bildungsmilieu • warm-humid
Abgrenzung
  • Rückstandsbildungen sind durch Lösungsabfuhr, Ausspülung oder Ausblasung verbliebene Gesteinsreste. Sie setzen sich aus grobkörnigem Material (Kies, Steine und Blöcke) oder als bindige Residualgesteine aus Ton, Schluff und S and zusammen.
  • Ein Solum entwickelt sich im Bereich der Landoberfläche durch Prozesse der Pedogenese und weist Bodenhorizonte mit Gefügeneubildung auf. Es stellt die jüngste Bildung der Verwitterungsdecke dar.
  • Lösslehm entsteht durch Entkalkung und Verlehmung von → Löss unter feuchten Klimabedingungen.
Anmerkung Bei der Saprolitbildung findet eine Veränderung des Gesteins durch verschiedene Prozesse in situ statt. Die physikalischen, chemischen, hydrogeologischen und bodenmechanischen Eigenschaften ändern sich ebenso wie die mineralogische Zusammensetzung. Das Gestein verändert seine charakteristischen Eigenschaften in Abhängigkeit der Intensität und Dauer der Verwitterung.
In aktiven Hebungsgebieten dominiert die Erosion gegenüber der Tieferlegung der Verwitterungsfront. Mächtige Verwitterungsprofile können nicht entstehen, vorhandene Saprolite werden zunehmend geringmächtiger. Bei linearer Erosion werden die Saprolitdecken zerschnitten bei weitgehender Erhaltung der ursprünglichen Mächtigkeiten.
Aus dem Bezug der autochthonen Verwitterungsbildungen zur tertiären Tektonik und zu Tertiärsedimenten im Rheinischen Schiefergebirge lassen sich die zwei Hauptbildungsphasen der Verwitterungsdecke stratigraphisch eingrenzen. Die ältere Phase mit relativ hohen Grundwasserständen ist vom Alttertiär bis in das Oberoligozän nachweisbar. Sinkende Grundwasserstände als Folge tektonischer Hebung und semiarider Klimabedingungen führten im Miozän zu oxidierenden Bedingungen im Saprolit. Eine zweite Phase der tiefreichenden Oxidation gab es wahrscheinlich im Pliozän.
Literatur FELIX-HENNINGSEN, P. (1990): Die mesozoisch-tertiäre Verwitterungsdecke (MTV) im Rheinischen Schiefergebirge – Aufbau, Genese und quartäre Überprägung. – Relief Boden Paläoklima, 6: 192 S.
HINZE, C.: Zersatzbildungen und Rückstandsbildungen. – In: HINZE, C., JERZ, H., MENKE, B. & STAUDE, H. (1989): Geogenetische Definitionen quartärer Lockergesteine für die Geologische Karte 1: 25 000 (GK 25). – Geologisches Jahrbuch, A 112: 135.
SPIES, E.-D. (1986): Vergleichende Untersuchungen an präpleistozänen Verwitterungsdecken im Osthunsrück und an Gesteinszersatz durch ascendente (Thermal-) Wässer in der Nordosteifel (Rheinisches Schiefergebirge). – Diss. Univ. Bonn, 182 S.; Bonn.
Bearbeitung WEIDENFELLER, M., STEUERWALD, K. (2019)

Abbildung 1
Tongrube Oedingen (Rheinisches Schiefergebirge nördlich Bad Neuenahr-Ahrweiler, RLP; Foto: M. WEIDENFELLER 2011)
Abbildung 2
Saprolit aus devonischen Silt- und Tonschiefern (Tongrube Oedingen im Rheinischen Schiefergebirge nördlich Bad Neuenahr-Ahrweiler, RLP; Foto: M. WEIDENFELLER 2011)

Inspire Code
Genutzt für BoreholeML Nein
Begriffs-ID 270
Eltern-ID 261
Hierarchie 2
Änderungsdatum 16.02.2021

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Zitiervorschrift:
AG Geologie: Geologische Kartieranleitung, Saprolit; 04.09.2023.- Online im Internet: https://www.geokartieranleitung.de/Fachliche-Grundlagen/Genese-und-Geogenese/Geogenetische-Definition/Lockergesteine/entry/cabc56db-94c8-4b8a-866b-0e17dab29578/mid/3427, Abrufdatum 26.05.2024 um 23:32 Uhr.
(Letzte Aktualisierung dieser Seite: Last update : 04.09.2023 10:21:46)
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