Ziele
  Bohrungen
  Gefüge
  Bayern
  Quartär
  Tertiär
  Kreide
  Jura
  Trias
  Perm
  Karbon
  Devon
  Silur
  Kambrium
  Berlin
  Quartär
  Hamburg
  Hessen
  Tertiär
  Perm
  Karbon
  Quartär
  Tertiär
  Kreide
  Jura
  Trias
  Perm
  Karbon
  Devon
  Saarland
  Sachsen
  Quartär
  Tertiär
  Kreide
  Jura
  Trias
  Perm
  Karbon
  Devon
  Quartär
  Tertiär
  Kreide
  Jura
  Trias
  Perm
  Glossar
Fachliche Grundlagen > Genese und Geogenese > Geogenetische Definition > Lockergesteine

Gletscherablagerungen

Liste Geogenetische Definitionen für Lockergesteine

Überbegriffe Gletscherablagerungen und glazigene Vollformen

Unterbegriffe Till
Einzelobjekt, gletschertransportiert
Glazitektonit

Download Begriffsdefinition 'Gletscherablagerungen' als PDF

Status gültig
Kürzel g
Erläuterung Klastische Lockergesteine, die durch die Akkumulation glazigen transportierten Schutts entstanden sind.
Synonyme Eisablagerungen; glazigene, glaziäre, glaziale Ablagerungen

Kategorisierung petrogenetisch
Englisch glacial deposits; glacial drift
Zusammensetzung / Merkmale Die Bezeichnung Gletscherablagerung dient als Oberbegriff für eine Gruppe klastischer Lockergesteine (bei Einzelobjekten auch Festgesteine), welche durch die Akkumulation glazigen transportierten Schutts entstehen. Es handelt sich dabei um zumeist schlecht sortierte matrix- oder korngestützte Gemische aus Gesteins- und Mineralbruchstücken, die von der Tonfraktion bis zur Blockgröße reichen können. Zu den wichtigsten Gletscherablagerungen zählen Lockersedimente, die durch das unmittelbare Ausschmelzen von Schutt aus dem Gletschereis gebildet werden (→ Till). Anzeichen für eine geringfügige Aufarbeitung durch Schmelzwässer, erkennbar an der Ausbildung schwacher Schichtungsmerkmale oder der Verarmung an Feinkorn infolge von Durchspülung, sind für viele Gletscherablagerungen typisch. Häufig finden sich diagnostisch wichtige Deformationsmerkmale, die auf eine glazitektonische Störung durch aktiv fließendes Eis zurückgehen (Verfaltung, Aufschiebung, Scherung etc., → Glazitektonit). Sowohl im norddeutschen Tiefland als auch im alpinen Vereisungsgebiet enthalten Gletscherablagerungen im unverwitterten Zustand üblicherweise einen deutlichen Karbonatanteil. Detaillierte Angaben zu den Faziesmerkmalen einzelner Gletscherablagerungen finden sich in den jeweiligen Datenblättern (siehe Unterbegriffe).
Entstehung Während des Pleistozäns erreichte das Skandinavische Inlandeis mehrfach das Norddeutsche Tiefland und hinterließ weitflächig mächtige Abfolgen von Gletscher- und assoziierten Schmelzwasserablagerungen. Ähnliche Sequenzen im Süden Deutschlands gehen auf Eisvorstöße aus dem Alpengebiet zurück, die im glazialen Maximum zu einer erheblichen Vorlandvergletscherung führten. Das dazwischenliegende Gebiet im mittleren Deutschland blieb, mit Ausnahme einzelner Lokalvergletscherungen in Hochlagen der Mittelgebirge, während des Quartärs unvergletschert und weist deshalb keine Gletscherablagerungen auf.
Aktiv fließendes Gletschereis kann an seiner Basis Gesteinsmaterial vom Untergrund erodieren und durch Anfrieren in das basale Eis aufnehmen. Im Zuge des anschließenden subglazialen Transports wird das Gesteinsmaterial durch Druck und Reibung intensiv aufgearbeitet und zerkleinert. Vom Eis verfrachtete gröbere Gesteinspartikel (Kies, Steine, Blöcke) werden allgemein als Geschiebe bezeichnet. Isoliert vorkommende Geschiebe auffälliger Größe (mindestens 1 m Durchmesser) werden auch als → Findlinge bezeichnet. Neben dem Transport an der Gletschersohle (subglazial) sowie im Gletschereis (englazial) bewegen v. a. Gebirgsgletscher häufig auch größere Mengen an Gesteinsschutt auf der Gletscheroberfläche (supraglazial). Dieses Material gelangt zumeist von den begrenzenden steilen Talflanken auf die Eisoberfläche. Je nach ihrem primären Bildungsraum entstehen Gletscherablagerungen durch Austauen oder Druckschmelzen an der Gletscherbasis (subglazial) bzw. unmittelbar am Gletscherrand (terminoglaziale Schuttanhäufungen). Supra- und englazial transportierte Materialien, die beim flächigen Niedertauen stagnierender Eismassen (Eiszerfall) frei werden, zeigen fast immer Merkmale gravitativer Umlagerung und Aufarbeitung. Weitergehende Angaben zu den Ablagerungsprozessen einzelner Gletscherablagerungen finden sich in den jeweiligen Datenblättern (siehe Unterbegriffe).
Bildungsprozess glazigen
gravitativ
Bildungsraum subglazial
supraglazial
• englazial
• terminoglazial
Bildungsmilieu glaziär
Abgrenzung Nicht zu den Gletscherablagerungen im hier verwendeten Sinn werden Sedimente gerechnet, die zwar glazigenen Ursprungs sind, aber erst nach längerem Schmelzwassertransport glazifluviatil oder glazilakustrin abgelagert wurden (→ Schmelzwasserablagerungen, Beckenablagerungen).
Anmerkung Der Begriff Gletscherablagerung ist eine Sammelbezeichnung für verschiedenartige glaziäre Sedimente und damit zunächst ohne konkreten Bezug auf spezifische glaziale Ablagerungsprozesse. Sofern möglich sollte eine weitergehende Klassifikation und geogenetische Ansprache erfolgen (siehe Unterbegriffe).
Literatur BENN, D. I. & Evans, D. J. A. (2010): Glaciers and Glaciation. – 802 S.; London (Hodder Education).
BENNETT, M. R. & GLASSER, N. F. (2009): Glacial Geology – Ice sheets and Landforms. – 385 S.; Chichester (Wiley).
BRODZIKOWSKI, K. & LOON, A. J. VAN (1990): Glacigenic Sediments. – Developments in Sedimentology, 49; 674 S.; Amsterdam (Elsevier).
EHLERS, J. (1994): Allgemeine und historische Quartärgeologie. – 358 S.; Stuttgart (Enke).
EHLERS, J. (2011): Das Eiszeitalter. – 363 S.; Heidelberg (Spektrum).
EVANS, D. J. A. & BENN, D. I. (2004): A practical guide to the study of glacial sediments. – 266 S.; London (Arnold).
GROTTENTHALER, W., HINZE, C. & STEPHAN, H.-J.: Eisablagerungen. – In: Hinze, C., Jerz, H., Menke, B. & Staude, H. (1989): Geogenetische Definitionen quartärer Lockergesteine für die Geologische Karte 1 : 25 000 (GK 25). – Geologisches Jahrbuch, A 112: 58–61.LIEDTKE, H. (1981): Die nordischen Vereisungen in Mitteleuropa. – Forschungen zur deutschen Landeskunde, 204: 1–307.
LUKAS, S., ROTHER, H. (2016): Moränen versus Till: Empfehlungen für die Beschreibung, Interpretation und Klassifikation glazialer Landformen und Sedimente. E&G Quaternary Science Journal, 65 (2): 95−112.
MENZIES, J. (1996): Past glacial environments – sediments, forms and techniques. – Glacial environments, 2: 598 S.; Oxford (Butterworth-Heinemann).
MURAWSKI, H. & MEYER, W. (2010): Geologisches Wörterbuch. – 220 S.; Heidelberg (Spektrum).
REINECK, H.-E. & SINGH, I. B. (1986): Depositional sedimentary environments. – 551 S.; Berlin u. a. (Springer).
SCHLÜCHTER, C. (1979): Moraines and varves: origin, genesis, classification. – 441 S.; Rotterdam (Balkema).
Bearbeitung Erstbearbeitung (Eisablagerungen): GROTTENTHALER, W., HINZE, C. & STEPHAN, H.-J. (1985)
Neubearbeitung: ROTHER, H. & WANSA, S. (2019)

Abbildung 1
Abb. 126-01: Abfolge schräggestellter Gletscherablagerungen über Schreibkreide, im Hangenden diskordant durch den M3-Till überlagert; Spaten als Maßstab (Glower Sattel, Jasmund, Rügen, MV; Foto: H. ROTHER, 2013).

Inspire Code
Genutzt für BoreholeML Ja
Begriffs-ID 126
Eltern-ID 297
Hierarchie 2
Änderungsdatum 20.12.2022

Link https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/01aa1182-f3d3-4fc3-a43a-5309204f1e70
Excel https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/excel/01aa1182-f3d3-4fc3-a43a-5309204f1e70
JSON https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/json/01aa1182-f3d3-4fc3-a43a-5309204f1e70
CSV https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/csv/01aa1182-f3d3-4fc3-a43a-5309204f1e70

Zur Liste 'Geogenetische Definitionen für Lockergesteine' zurück
Zitiervorschrift:
AG Geologie: Geologische Kartieranleitung, Gletscherablagerungen; 04.09.2023.- Online im Internet: https://www.geokartieranleitung.de/Fachliche-Grundlagen/Genese-und-Geogenese/Geogenetische-Definition/Lockergesteine/entry/01aa1182-f3d3-4fc3-a43a-5309204f1e70/mid/3427, Abrufdatum 26.05.2024 um 23:38 Uhr.
(Letzte Aktualisierung dieser Seite: Last update : 04.09.2023 10:21:46)
© AG Geologie