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Fachliche Grundlagen > Genese und Geogenese > Geogenetische Definition > Lockergesteine

Flugsand

Liste Geogenetische Definitionen für Lockergesteine

Überbegriffe Windablagerungen und Dünen

Unterbegriffe -

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Status gültig
Kürzel sa
Erläuterung Windablagerung aus (Fein- bis Mittel-)Sand
Synonyme äolischer Sand

Kategorisierung petrogenetisch
Englisch aeolian (eolian) sand
Zusammensetzung / Merkmale Flugsand besteht aus gut sortierten Fein- bis Mittelsanden, die teilweise geringe Anteile von Grobsand enthalten. Der Sandanteil beträgt mindestens 75 Masse-%. Der Schluffgehalt ist meistens <10 Masse-%. Der Tonanteil beträgt primär <5 Masse-%. In periglazialen Flugsanden können bis 25 Masse-% Schluff auftreten, vereinzelt enthalten sie auch Feinkieskörner.

Flugsand ist körnig und locker. Er weist ein homogenes bis geschichtetes Gefüge auf. Oft ist er weiß bis braun, selten rötlich oder durch Humus und Podsolierung wolkig-grau gefärbt. Flugsand ist in Nord- und Mitteldeutschland überwiegend karbonatfrei, in Süddeutschland aber oft karbonathaltig.

In Abhängigkeit von seiner Herkunft und Entfernung vom Liefergebiet weist Flugsand Unterschiede in der Korngrößenzusammensetzung und Mineralführung auf. Die einzelnen Sandkörner sind überwiegend gut gerundet. Mikroskopisch zeigen sie matte Oberflächen mit Schlagmarken als Folge von Kornkollisionen durch Springfracht-Transport (Saltation).
Entstehung Flugsand entsteht durch Auswehung von Sandkörnern aus vegetationsfreien Gebieten und Absatz aus der Luft.
Bildungsprozess Sedimentation
äolisch
Bildungsraum terrestrisch
Bildungsmilieu sedimentär
Abgrenzung Lösssand, → Sandlöss und → Sandstreifenlöss enthalten neben Sand einen höheren Schluffanteil.
Anmerkung Im Pleistozän unter periglaziären Bedingungen abgelagerte und überprägte Flugsande bilden aushaltende, wenig reliefierte Schichten mit schwacher Steinsohle, Eiskeilfüllungen und kryoturbaten Merkmalen (ehemals als Flugdecksand bezeichnet). Holozäne Flugsande bilden diskordante Deckschichten lokaler Ausdehnung mit typisch welliger Oberfläche.

Flugsand wurde häufig auf Sandebenen aus lokal begrenzten, flach muldenförmigen Deflationswannen (Schlatt) oder aus sandreichen Flussbetten ausgeblasen und in benachbarten Bereichen aufgeweht.

Flugsande, die durch fließendes Wasser umgelagert sind, werden in Norddeutschland zu den Niederungssanden gestellt. Diese können anhand ihrer morphologischen Position und Schichtung unterschieden werden.

Hangsand beinhaltet auch durch Bodenfließen oder Abspülung umgelagerte Flugsande.
Literatur BÖSE, M. (1991): A palaeoclimatic interpretation of frost-wedge casts and aeolian sand deposits in the lowlands between Rhine and Vistula in the Upper Pleniglacial and Late Glacial. – Zeitschrift für Geomorphologie N. F. Supplement-Band 90: 15–28.
COLLINSON, J.D. & MOUNTNEY, N. (2018): Sedimentary Structures. – 4. Aufl., 320 S.; Edinburgh (Dunedin Academic Press).
EHLERS, J. (1994): Allgemeine und historische Quartärgeologie. Flugdecksand. – S. 119–121; Stuttgart (Enke).
MUHS, D.R. (2013): Paleosols and wind blown sediments. – In: ELIAS, S.A. & MOCK, C.J. [Hrsg.] Encyclopedia of Quaternary Science, 2. Aufl., Vol. 3, S. 357–374; Amsterdam (Elsevier).
PYRITZ, E. (1972): Binnendünen und Flugsandebenen im Niedersächsischen Tiefland. – Göttinger geographische Abhandlungen 61: 1–153.
REINECK, H.-E. & SINGH, I.B. (1986): Depositional Sedimentary Environments. – 2. Aufl., 551 S.; Berlin (Springer).
SCHLAAK, N. (2015): Äolische Bildungen. – In: STACKEBRANDT, W. & FRANKE, D. [Hrsg.] Geologie von Brandenburg. – S. 429–438; Stuttgart (Schweizerbart).
STREIF, H. (1989): Flugsand. – In: HINZE, C., JERZ, H., MENKE, B. & STAUDE, H. [Hrsg.] Geogenetische Definitionen quartärer Lockergesteine für die Geologische Karte 1:25 000 (GK 25): Geologisches Jahrbuch, A 112: 165–166.
VOSSMERBÄUMER, H. (1976): Granulometrie quartärer äolischer Sande in Mitteleuropa ein Überblick. – Zeitschrift für Geomorphologie, N.F. 20 (1): 78–96.
Bearbeitung Erstbearbeitung: STREIF, H. (1986)
Neubearbeitung: OBST, K. & KAINZ, W. (2020)

Abbildung 1
Abb. 168-1: Im oberen Profilteil humose Flugsanddecke aus dem 18. Jahrhundert (Sand-Äolium) unter einer sehr alten Ackeraufforstung im Klötzer Sandlössgürtel der Altmark, Sachsen-Anhalt (Foto: W. Kainz)

Inspire Code
Genutzt für BoreholeML Nein
Begriffs-ID 168
Eltern-ID 161
Hierarchie 2
Änderungsdatum 12.09.2022

Link https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/cd519a85-0279-43bd-9e99-681f88ac7447
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Zitiervorschrift:
AG Geologie: Geologische Kartieranleitung, Flugsand; 04.09.2023.- Online im Internet: https://www.geokartieranleitung.de/Fachliche-Grundlagen/Genese-und-Geogenese/Geogenetische-Definition/Lockergesteine/entry/cd519a85-0279-43bd-9e99-681f88ac7447/mid/3427, Abrufdatum 27.05.2024 um 00:18 Uhr.
(Letzte Aktualisierung dieser Seite: Last update : 04.09.2023 10:21:46)
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