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Fachliche Grundlagen > Genese und Geogenese > Geogenetische Definition > Lockergesteine

Löss

Liste Geogenetische Definitionen für Lockergesteine

Überbegriffe Windablagerungen und Dünen

Unterbegriffe -

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Status gültig
Kürzel lo
Erläuterung Kaltzeitlich aufgewehter (Grob-)Schluff und (Fein-)Sand
Synonyme

Kategorisierung petrogenetisch
Englisch loess
Zusammensetzung / Merkmale Löss besteht überwiegend aus Schluff und weist (Fein)Sandgehalte <20 Masse-% auf. Der Tonanteil beträgt meistens weniger als 25 Masse-%. Er ist durch ein deutliches Grobschluff-Maximum (meistens >30 Masse-%) gekennzeichnet.

Löss weist ein homogenes Gefüge auf und ist häufig ungeschichtet. Die Farbe variiert von graugelb bis gelblichbraun. Selten ist Löss durch Verwitterung und Hangumlagerung braun gefärbt („Braunlöss“). Er ist karbonathaltig bis karbonatreich; nur in seltenen Fällen auch karbonatfrei. Sekundärkarbonat kann in Form von Kalk-Pseudomycel oder Kalkkonkretionen (Lösskindel) auftreten.

Der Silikatanteil im Löss beträgt bis 38 Masse-%. Unter den Tonmineralen dominiert Illit. Löss weist ein sehr hohes Porenvolumen (maximal 48 Volumen-%; vor allem Mittelporen) auf. Teilweise sind senkrechte Kapillarröhrchen („Nadelstichporen“, feine Grobporen) gut sichtbar. Nicht selten sind Schalen fossiler Schnecken eingebettet.

Löss bildet diskordante Deckschichten, häufig mit Steinsohlen und Windkantern, seltener mit Frostkeilfüllungen an der Basis. Die Gesamtmächtigkeit schwankt von einigen Dezimetern bis zu mehreren Metern und erreicht selten einige Zehnermeter. Die Mächtigkeit ist reliefabhängig, reliefausgleichend und von der Hauptwindrichtung der Entstehungszeit geprägt. Löss weist oft eine interne Gliederung durch Umlagerungen, lokale Einschaltungen vulkanischer Pyroklastite und fossile Bodenbildungen auf (Sedimentzyklen, zyklische Bodenentwicklung).
Entstehung Löss entsteht durch Aufwehung von Schluff- und Sandkörnern und Absatz zwischen lockerer Grasvegetation unter kaltzeitlichem, überwiegend trockenem bis schwach feuchtem Klima. Die aufeinanderfolgenden Wurzelgenerationen der Lösssteppenvegetation verursachten die poröse Struktur des Lösses. Während klimatisch günstigeren Perioden (z.T. Feuchtperioden) wurde die Sedimentation reduziert bzw. ganz eingestellt. Dadurch konnte es zu einer Bodenentwicklung kommen, deren Ergebnis sich bis heute in von Abtrag geschützten Positionen erhalten hat
Bildungsprozess Sedimentation
äolisch
Bildungsraum terrestrisch
Bildungsmilieu sedimentär
Abgrenzung Lösslehm: ist eine karbonatfreie Verwitterungsbildung, die höhere Tongehalte aufweist.
Sandlöss: enthält 20-50 Masse-% Sand.
Lösssand: enthält 50-75 Masse-% Sand.
Sandstreifenlöss: ist durch Sandlagen feingeschichtet.
Schwemmlöss: ist durch Abspülung umgelagertes, mitunter kurz fluviatil transportiertes Lössmaterial; er ist häufig geschichtet und weist einen lagenweisen Korngrößenwechsel auf.
Anmerkung Die größte flächenhafte Verbreitung besitzt der Löss der Weichsel- bzw. Würm-Kaltzeit; in Süddeutschland sind häufig auch Lössvorkommen älterer Kaltzeiten (z.T. durch fossile Böden getrennt) nachweisbar.

Löss weist lokale fazielle Unterschiede und Übergänge in der Korngrößenzusammensetzung und regionale Unterschiede in der Karbonat- und Mineralführung auf, die vom Liefergebiet und der Aufnahme lokalen Materials abhängig sind (Lössprovinzen).

Wegen seiner guten Standfestigkeit bilden sich im Löss oft steile Wände und Hänge (Hohlwege, Lössschluchten) – dazu trägt die Karbonatauskleidung der Poren wesentlich bei.

Durch Entkalkung und Tonmineralbildung entsteht → Lösslehm.

Infolge Frostwechsel kann es im Löss zur Entschichtung und Bildung von Kryoklastzonen kommen. Teilweise tritt Bodenfließen im Basisbereich (Fahnenbildung) auf. Die Fahnenbildung führt zur Entstehung von → Fließerden.

Im Holozän kommt es zur Überprägung durch Bodenbildung (Schwarzerden, Lessivés) und Erosion.
Literatur ALTERMANN, M., HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. (1978): Lithologie, Genese und Verbreitung der Löß- und Schuttsedimente im Vorland der skandinavischen Vereisungen. – Schriftenreihe für Geologische Wissenschaften, 9: 231– 35.
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BRUNNACKER, K. (1978): Deckschichten. – In: Das Mainprojekt. – Schriftenreihe Bayerisches Landesamt Wasserwirtschaft, 7: 17–21.
EHLERS, J. (2011): Das Eiszeitalter. – 363 S.; Heidelberg (Spektrum).
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SCHREINER, A. (1992): Einführung in die Quartärgeologie. – 257 S.; Stuttgart (Schweizerbart).
SMALLEY, J. [Hrsg.] (1975): Loess, Lithology and Genesis. – Benchmark Papers in Geology 26, 430 S.; Pennsylvania (Dowdwin, Hutchinson & Ross).
TILLMANNS, W. & WINDHEUSER, H. (1980): Der quartäre Osteifel-Vulkanismus. Ein Beitrag zur Lößgenese. – Eiszeitalter und Gegenwart, 30: 29–43.
Thome, K.N. (1997): Einführung in das Quartär – Das Zeitalter der Gletscher. – 287 S.; Berlin (Springer).
Bearbeitung Erstbearbeitung: HINZE, C. & REICHMANN, H. (1984)
Neubearbeitung: OBST, K. & KAINZ, W. (2020)

Abbildung 1
Abb. 163-1: Jungweichselzeitlicher Löss mit Steinsohle an der Basis über sandigem Till der Drenthe-Vereisung; im Top Schwarzerde, Sachsen-Anhalt (Foto: W. Kainz)

Inspire Code
Genutzt für BoreholeML Nein
Begriffs-ID 163
Eltern-ID 161
Hierarchie 2
Änderungsdatum 12.09.2022

Link https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/af312074-a3ab-4105-b1a8-b91af5d6ebb6
Excel https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/excel/af312074-a3ab-4105-b1a8-b91af5d6ebb6
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Zitiervorschrift:
AG Geologie: Geologische Kartieranleitung, Löss; 04.09.2023.- Online im Internet: https://www.geokartieranleitung.de/Fachliche-Grundlagen/Genese-und-Geogenese/Geogenetische-Definition/Lockergesteine/entry/af312074-a3ab-4105-b1a8-b91af5d6ebb6/mid/3427, Abrufdatum 26.05.2024 um 23:54 Uhr.
(Letzte Aktualisierung dieser Seite: Last update : 04.09.2023 10:21:46)
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