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  Glossar
Fachliche Grundlagen > Genese und Geogenese > Geogenetische Definition > Lockergesteine

Umlagerungsbildungen

Einleitung (M. KÖSEL & W. FLECK 2019)
Der oberflächennahe Untergrund als oberster Abschnitt der Lithosphäre besteht weitverbreitet aus Lockergesteinen, die sich häufig erst in geologisch jüngster Vergangenheit hauptsächlich während des Spätpleistozäns und im Holozän über dem Gesteinsuntergrund mit unterschiedlicher Mächtigkeit gebildet haben. Außerhalb der Ablagerungsräume von äolischen Sedimenten und fluviatilen Ablagerungen wird der oberflächennahe Untergrund v. a. durch Umlagerungsbildungen geprägt, die durch stark reliefgesteuerte geologische Vorgänge entstanden sind. Ihre Verbreitung sowie ihre Mächtigkeit hängen dabei von den jeweiligen, für ihre Bildung erforderlichen Randbedingungen und den sie formenden geologischen Prozessen ab.
Manche Umlagerungsbildungen kommen räumlich sehr begrenzt vor, wenn die zu ihrer Entstehung führenden Prozesse an spezielle, nur örtlich vorliegende geologische bzw. geomorphologische Gegebenheiten gebunden sind. Andererseits treten Umlagerungsbildungen häufig auch großflächig auf und können ganze Landschaftsbereiche im oberflächennahen Untergrund prägen. Eine besondere Bedeutung kommt in dieser Hinsicht den → Frostbodenbildungen zu (→ Fließerde, → Solimixtionsdecke), die im Periglazialraum zwischen dem nordischen Eis und den jüngsten alpinen Vorlandgletschern im Auftauboden über tiefgefrorenem Permafrost entstanden und bis auf Bereiche mit harten Felsklippen und ihren Steilhängen das Gelände häufig nahezu reliefübergreifend einnehmen.

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Liste Geogenetische Definitionen für Lockergesteine

Überbegriffe -

Unterbegriffe Verschwemmungsablagerungen
Frostbodenbildungen
Fall- und Sturzbildungen
Gleitbildungen
Fließbildungen
Morphologische Formen der Umlagerungsbildungen

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Status gültig
Kürzel u
Erläuterung Durch Verlagerung gelockerten Gesteinsmaterials gebildete Ablagerungen
Synonyme

Kategorisierung petrogenetisch
Englisch mass movement deposits
Zusammensetzung / Merkmale Umlagerungsbildungen weisen in Abhängigkeit vom Gesteinsuntergrund der Umgebung und den an ihrer Formung beteiligten Prozesse eine weite petrographische Spanne auf. Die Zusammensetzung kann auch innerhalb des geologischen Körpers stark variieren. Komponentengestützte, grobklastische Ablagerungen sind beispielsweise typisch für Felssturzmassen und Hangschutt, während matrixgestützte Diamikte häufig bei Rutschmassen und Fließerden auftreten. Bei fehlenden härteren Gesteinen in der Umgebung treten Fließerden auch als grobkomponentenarme bis -freie Umlagerungsbildungen auf. An Abspül- und Verschwemmungsprozesse gebundene Umlagerungssedimente zeigen z. T. deutliche Sortierungsmerkmale und weisen stellenweise (Fein-) Schichtung auf. Frostbodenbildungen, wie z. B. Fließerden, zeichnen sich wiederum durch einen örtlich erfolgten kaltzeitlich-äolischen Eintrag aus, der sich in einer deutlichen Lösskomponente äußern kann.
Entstehung Unter dem Oberbegriff Umlagerungsbildungen wird eine Reihe von Lockergesteinen zusammengefasst, die durch unterschiedliche reliefgesteuerte Prozesse gebildet werden. Umlagerungsbildungen entstehen unter direktem Schwerkrafteinfluss als → Fall- und Sturzbildungen sowie als Gleitbildungen mit der Formung von → Rutschmassen. Durch abfließendes Wasser werden → Verschwemmungsablagerungen gebildet und im Auftauboden über Permafrost entstehen durch wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren (Regelation) → Fließerden. Den Umlagerungsbildungen ist gemeinsam, dass der Materialtransport auf die nähere Umgebung beschränkt ist.
Bildungsprozess • gravitativ, verspült, solifluktiv, solimixtiv, stürzend,
• gleitend
Bildungsraum terrestrisch
Bildungsmilieu sedimentär
Anmerkung Neben seinem Einsatz in zusammenfassenden, textlichen Erläuterungen findet der Begriff im Rahmen der konkreten Ansprache im Gelände vor allem bei unklarer Genese des Lockergesteinskörpers sowie bei einem heterogenen Aufbau durch wechselnde Umlagerungsprozesse Anwendung. In HINZE et al. (1989) wurde ein Teil der unter den Umlagerungsbildungen subsumierten geogenetischen Definitionen unter dem Oberbegriff Frostbodenbildungen und Hangbildungen geführt. Im englischen Sprachraum ist der Begriff mass movement nicht eindeutig festgelegt. Teilweise umfasst er im Sinne der hier beschriebenen Umlagerungsbildungen ein relativ breites Spektrum, teilweise wird er jedoch deutlich enger gefasst (Fall- und Sturzbildungen) und dann häufig als gravitational mass movement bezeichnet.
Literatur AHNERT, F. (2015): Einführung in die Geomorphologie. – 458 S.; Stuttgart (UTB).
DOBHAL, D. B. (2011): Gravitational Mass Movement Deposits. – In: SINGH, V. P., SINGH, P. & HARITASHYA, U. K. (Hrsg.): Encyclopedia of Snow, Ice and Glaciers. Encyclopedia of Earth Science Series: 477; Dordrecht (Springer).
GILES, D. P., GRIFFITHS, J. S., EVANS, D. J. A. & MURTON, J. B. (2017): Chapter 3, Geomorphological framework: glacial and periglacial sediments, structures and landforms. – In: GRIFFITHS, J. S. & MARTIN, C. J. (Hrsg.): Engineering Geology and Geomorphology of Glaciated and Periglaciated Terrains – Engineering Group Working Party Report. Geological Society, London, Engineering Geology Special Publications, 28: 59–368.
HINZE, C., JERZ, H., MENKE, B. & STAUDE, H. (1989): Geogenetische Definitionen quartärer Lockergesteine für die Geologische Karte 1 : 25 000 (GK 25). – Geologisches Jahrbuch, A 112: 243 S.
KRENMAYR, H.-G., ĆORIĆ, S., GEBHARDT, H., IGLSEDER, C., LINNER, M., MANDL, G. W., REITNER, J., ROCKENSCHAUB, M., ROETZEL, R. & RUPP, C. (2012): Generallegende der pleistozänen bis holozänen Sedimente und Verwitterungsprodukte des Periglazialraumes auf den geologischen Spezialkarten (1:50.000, 1:25.000) der Geologischen Bundesanstalt. – Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 152 (1–4): 57–66.
MCMILLAN, A. A. & POWELL, J. H. (1999): BGS Rock Classification Scheme, Volume 4: Classification of artificial (man-made) ground and natural superficial deposits – applications to geological maps and datasets in the UK. – British Geological Survey Report, RR 99−04: 65 S.
WATKINS, J. & HARGITAI, H. (2014): Mass Wasting. – In: HARGITAI, H. & KERESZTURI, A. (Hrsg.): Encyclopedia of Planetary Landforms: 1324–1332, Dordrecht (Springer Reference).
Bearbeitung KÖSEL, M., FLECK, W. (2019)

Abbildung 1
Schwemmlöss im Lösshügelland bei Heilbronn-Frankenbach (Lkr. Heilbronn; Foto: LGRB Baden-Württemberg)
Abbildung 2
Mehrschichtige Fließerde (im Keuperbergland des Rammerts, Lkr. Tübingen; Foto: LGRB Baden-Württemberg)
Abbildung 3
Steinschlag- und Felssturzmassen (Hoher Ifen, Allgäuer Alpen, Lkr. Oberallgäu, Bayern; Foto: LGRB Baden-Württemberg)
Abbildung 4
Rutschung am Steilabfall der Schwäbischen Alb (Mössingen-Öschingen, Landkreis Tübingen; Foto: LGRB Baden-Württemberg)
Abbildung 5
Fließbildungen/Schuttstromablagerung im Ammergebirge (Schwaigen-Grafenschau, Landkreis Garmisch-Partenkirchen; Foto: LfU Bayern)
Abbildung 6
Morphologische Formen der Umlagerungsbildungen/Murkegel (Goms, Kanton Wallis, Schweiz; Foto: J. EBERLE, Universität Tübingen)
Abbildung 7
Morphologische Formen der Umlagerungsbildungen/Schutthalden (Zastlertal, Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald; Foto: LGRB Baden-Württemberg)

Inspire Code
Genutzt für BoreholeML Nein
Begriffs-ID 171
Eltern-ID
Hierarchie 1
Änderungsdatum 19.03.2021

Link https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/30c2551e-b5e7-4bfb-b723-13888a0a6b11
Excel https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/excel/30c2551e-b5e7-4bfb-b723-13888a0a6b11
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Zitiervorschrift:
AG Geologie: Geologische Kartieranleitung, Umlagerungsbildungen; 04.09.2023.- Online im Internet: https://www.geokartieranleitung.de/Fachliche-Grundlagen/Genese-und-Geogenese/Geogenetische-Definition/Lockergesteine/entry/30c2551e-b5e7-4bfb-b723-13888a0a6b11/mid/3427, Abrufdatum 21.04.2024 um 07:03 Uhr.
(Letzte Aktualisierung dieser Seite: Last update : 04.09.2023 10:21:46)
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