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Fachliche Grundlagen > Genese und Geogenese > Geogenetische Definition > Lockergesteine

Wattablagerungen

Liste Geogenetische Definitionen für Lockergesteine

Überbegriffe Meeres- und Küstenablagerungen > Küstenablagerungen

Unterbegriffe Mischwatt
Wattsand / Sandwatt
Schlick / Schlickwatt

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Status gültig
Kürzel wa
Erläuterung Unter Gezeiteneinfluss entstandene tonig-schluffige bis sandige, Molluskenschalen führende Küstenablagerungen
Synonyme Watten

Kategorisierung petrogenetisch
Englisch tidal flat deposits
Zusammensetzung / Merkmale „Wattablagerungen“ wird als Ober- bzw. Sammelbegriff für die verschiedenen Watttypen verwendet. Wattablagerungen bestehen aus Ton, Schluff und Sand in stark wechselnden Anteilen, selten enthalten sie Kies. Aufgrund von Molluskenschalen, die teils umgelagert, teils in LebendsteIlung auftreten, sowie von Molluskenschill sind die Ablagerungen karbonatisch. Untergeordnet, und dann bevorzugt in der Schlufffraktion, treten Holzreste und Torfgerölle, Detritus von Seegras und aufgearbeiteter Torf auf.
In den Ästuaren sind die Sedimente brackisch, im tidal beeinflussten Unterlauf der Flüsse (Bereich des Gezeitenrückstaus) sind sie salzfrei.
Ein wichtiges Merkmal im Sedimentkörper sind die in zwei einander entgegengesetzte Richtungen weisenden Sedimentstrukturen, die auf die wechselnden Richtungen des Tidestromes zurückgehen.
Wenn möglich, werden die verschiedenen Watttypen aufgrund ihrer petrographischen Zusammensetzung differenziert:
  • Sandwatt / Wattsand ist gekennzeichnet durch Schluff- und Tonanteile von weniger als 12 % (nach RAGUTZKI 1982 in MEYER & RAGUTZKI 1999) und wenig organischer Substanz (< 3 %). Durch Wellen und Wind kommt es zu erheblichen Umlagerungen im Sedimentkörper, der dabei immer wieder mit Sauerstoff angereichert wird. Sandwatt stellt somit die energetisch höchste Form einer Wattablagerung dar.
  • Mischwatt ist gekennzeichnet durch Schluff- und Tonanteile von 12 – 40 %. Mischwatt bildet sich in geschützten Bereichen, z. B. in Festlandsnähe oder im Brandungsschutz von großen Inseln. Die Umlagerungsprozesse und Durchmischung des Sedimentkörpers sind geringer als beim Sandwatt, stattdessen wird in großem Umfang Biomasse produziert.
  • Schlick / Schlickwatt ist gekennzeichnet durch Schluff- und Tonanteile von über 40 % und tritt besonders in geschützten Bereichen auf, z. B. in Buchten und im Windschatten von Inseln. Aufgrund geringerer Umlagerungsprozesse ist dieser Watttyp am sauerstoffärmsten. Es finden überwiegend Biodeposition und Reduktions- bzw. Zersetzungsprozesse der organischen Bestandteile statt, die das Sediment schwarz färben. Schlickwatt nimmt den geringsten Flächenanteil im Wattenmeer ein.
Entstehung Wattablagerungen entstehen im intertidalen Milieu unter Gezeiteneinfluss zwischen Tideniedrig- und Tidehochwasserlinie. Diese Küstenbereiche werden dabei rhythmisch überflutetet bzw. fallen trocken.
Bildungsprozess Sedimentation
aquatisch-klastisch
marine Erosion
Bildungsraum intertidal
Bildungsmilieu sedimentär
marin
marines Bewegtwasser
marines Stillwasser
Abgrenzung
  • Rinnenablagerungen (im Gezeitenstrom): Ablagerungen langgestreckter, meist schmaler Gezeitenrinnen, vielfach mit hohen Anteilen von aufgearbeitetem Pleistozänmaterial. 
  • Vorlandbildungen: Oberhalb der Mitteltidehochwasserlinie abgesetzte, durch Bodenbildungsprozesse überprägte und intensiv durchwurzelte Ablagerungen. 
  • Strandablagerungen: Überwiegend sandige Ablagerungen mit wenig Fauna, geringer Durchwühlung und flach seewärts einfallender Schichtung. 
  • Brackwattablagerungen: Diese werden im Gezeitenbereich oder bei geringer Wasserbedeckung in vom Meereseinfluss weitgehend abgeschnürten, teilweise ausgesüßten Gewässern sedimentiert.
Anmerkung In Abhängigkeit von der Maßstabsebene werden die genannten Unterbegriffe (vgl. Punkt 7) unter dem Sammelbegriff „Wattablagerungen“ zusammengefasst dargestellt. Die heutigen Watten werden geomorphologisch, je nach ihrer Exposition gegen das Meer, in offene Watten, Rückseitenwatten sowie Buchten- und Ästuarwatten oder petrographisch unterschieden. Diese Zuordnung ist für die geogenetische Untergliederung von Wattablagerungen nicht geeignet, da die ursprünglichen Ablagerungsräume heute in vielen Fällen nicht mehr zu rekonstruieren sind. Wattablagerungen sind dem eulitoralen oder intertidalen Entstehungsraum zuzuordnen.
Literatur EHLERS, J. (1988): The Morphodynamics of the Wadden Sea. – 397 S.; Rotterdam (Balkema).
GEHRT, E., BENNE, I., EILERS, R., HENSCHER, M., KRÜGER, K. & LANGNER, S. (2013): Das Landschafts- und Bodenentwicklungsmodell der niedersächsischen Marschen für die Geologische Karte und Bodenkarte 1:50.000. – Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (SKN), 36: 31–47.
KÖRNER, B. (1955): Die Sinkstoffe der Küstengewässer. – Die Küste, 4: 5–51.
MEYER, C. & RAGUTZKI, G., (1999): KFKI Forschungsvorhaben „Sedimentverteilung als Indikator für morphodynamische Prozesse“. – Dienstbericht Forschungsstelle Küste, 21/1999 [unveröff.]: 43 S.; Norderney (Niedersächsisches Landesamt für Ökologie).
REINECK, H.- E. (Hrsg.) (1978): Das Watt - Ablagerungs- und Lebensraum. – 2. Auflage, 185 S.; Frankfurt a. M. (Kramer).
REINECK, H.- E. & SINGH, I. B. (1980): Depositional Sedimentary Environments, 2nd edition. – 551 S.; Berlin, Heidelberg, New York (Springer).
SCHÄFER, A. (2005): Klastische Sedimente: Fazies und Sequenzstratigraphie. – 414 S.; München (Elsevier).
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STREIF, H. (1990): Das ostfriesische Küstengebiet - Inseln, Watten und Marschen. – Sammlung Geologischer Führer, 57, 2. Auflage: 376 S.; Berlin, Stuttgart (Borntraeger).
THYEN, S., EXO, K.-M., APPEL, U. & SÜDBECK, P. (2000): Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen, 40. – 100 S.; (NLWKN).
Seite „Watt (Küste)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. Juli 2013, 17:52 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Watt_(K%C3%BCste)&oldid=120220150 (Abgerufen: 15. Juli 2013, 12:28 UTC)
Bearbeitung Erstbearbeitung: STREIF, H. (1986)
Überarbeitung: SCHWARZ, C., KAUFHOLD, H., GRUBE, A., OBST, K. (2020)

Abbildung 1
Die Abbildung zeigt die idealisierte Zonierung der Sedimenttypen Schlickwatt (blau), Mischwatt (braun)und Sandwatt (gelb) im Hinblick auf die Küstenlinie. Links ist die Deichlinie (grün, Festland) erkennbar. Weiterhin ist die an den Watttyp gekoppelte Verbreitung einzelner Wattorganismen dargestellt. Mit Annäherung an den Deich steigt der Feinkornanteil. Verändert nach REINECK (1978).
Abbildung 2
Wattablagerungen (Wattsand mit Muschelschalen) vor der Insel Amrum (Schleswig-Holstein). Bildbreite circa 0,5 m (Foto: SCHWARZ, C., 2005)
Abbildung 3
Wattsand bis Mischwatt mit Kleinrippelstrukturen vor der Insel Amrum (Schleswig-Holstein). Bildbreite circa 2 m. (Foto: SCHWARZ, C., 2005)

Inspire Code
Genutzt für BoreholeML Nein
Begriffs-ID 7
Eltern-ID 6
Hierarchie 3
Änderungsdatum 12.03.2021

Link https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/03a606ba-6d10-4b6e-b626-722733b1b660
Excel https://www.geokartieranleitung.de/desktopmodules/gkalist/api/excel/03a606ba-6d10-4b6e-b626-722733b1b660
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Zitiervorschrift:
AG Geologie: Geologische Kartieranleitung, Wattablagerungen; 04.09.2023.- Online im Internet: https://www.geokartieranleitung.de/Fachliche-Grundlagen/Genese-und-Geogenese/Geogenetische-Definition/Lockergesteine/entry/03a606ba-6d10-4b6e-b626-722733b1b660/mid/3427, Abrufdatum 30.05.2024 um 10:49 Uhr.
(Letzte Aktualisierung dieser Seite: Last update : 04.09.2023 10:21:46)
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